The Times They Are a-Changin'

„Die Zeiten ändern sich“,  singt Bob Dylan nun schon seit  mehr als 50 Jahren, und ich kann ihm nur zustimmen. Beide haben wir dieses Jahr einen runden Geburtstag gefeiert. Er wurde 70, ich 60 und nach 30 Jahren Schuldienst steht kein Stein mehr auf dem anderen. Alles hat sich geändert. Ich will gar nicht anfangen aufzuzählen, was alles. Aber ein kleines Beispiel soll hier erlaubt sein: nehmen wir den Einstieg in einen Weiterbildungstag.  Als ich in den 70er Jahren anfing zu unterrichten, gabs das noch gar nicht. Man kam am Morgen zusammen, wusste was auf dem Programm stand und  das Ziel war allen klar -peng- gings los.  Dann aber kam die Blütezeit des Einstiegs. Zuerst noch zaghaft, mit einem Lied wurde auf kommendes eingestimmt (Am Brunnen vor dem Tore) – das ging ja noch. Aber dann kamen die „Gschpürschmi“ –Einstiege. Meistens wurde irgendeiner aus dem Kollegium dazu verknurrt, den Tagesanfang zu gestalten. Dazu hatte man ein Zeitfenster von etwa 10 Minuten zur Verfügung.  Mein inzwischen pensionierter Kollege Kurt W. verliess dann immer, sobald so ein Einstieg angekündigt wurde, den Raum mit den Worten: „Wenn ihr mit dem Quatsch fertig seid und zum Thema kommt, könnt ihr mich rufen.“  Wir anderen blieben aber alle brav da und warfen  einander gehorsam Wollknäuel zu und mussten gleichzeitig irgendein Wort rufen,  das uns gerade beschäftigte, z. Bsp. „Hunger“ oder „Zigarette“ oder „Rektoratsentlastungsstunde“ usw.  Oder wir durften das Segment eines Kreismandala ausmalen, es dann zusammenfügen, und dann darüber diskutieren, warum die Farben nicht zusammen passen. Oder wir mussten uns vorstellen, wir seien ein Baum und …..“tschau zäme“  sagte Kurt dann.  Manchmal durften wir einander sogar den Rücken massieren und „ommmmm“ brummen und einmal kam ein Kursleiter mit einer grossen Rätsche und nachdem er diese gedreht und einen ohrenbetäubenden Krach gemacht, damit den Letzten geweckt hatte, mussten wir  einander mitteilen, was uns dabei eingefallen war („meine Schwiegermutter“ usw.) Erst dann gings zur Sache und Kurt konnte gerufen werden.  Und heute? Heute ist, wie wir inzwischen gemerkt haben, alles professionalisiert, auch der Einstieg : Wir Lehrerinnen und Lehrer sitzen da und irgendein  Komiker, Slam Poet, Wortakrobat oder Comiczeichner (früher wären das alles Ex-Lehrer gewesen n.b.)steht da vorne und macht einen tollen Einstieg. Wir lehnen uns zurück und haben Freude am Humor dieser Künstler. Armer Kurt, du hast im falschen Zeitalter gelebt!

 

Ja, Humor! Das Wort  ist in! Das ist das Wort unseres neuen Jahrzehnts: Humor. Humor muss man haben, Humor schreibt das Leitbild vor („Wir begegnen uns mit Respekt, Vertrauen und Humor“)  Humor steht auf der Homepage unserer Schule :„Wir sind eine Schule, in  der ein positives, humorvolles Lern- und Arbeitsklima herrscht.“ Ohne Humor wirst du heutzutage in dem Job nicht alt. Und wenn wir zuwenig Humor haben, dann müssen wir uns Humor beibringen lassen. Unsere weitsichtigen Schulleitungen organisieren Arbeitstagungen zum Thema, z. Bsp. „Kann Humor haben verordnet werden?“ – (Bildet Vierergruppen und diskutiert das Thema. Zeit: 30 Minuten –mit Kaffeepause)und Lachseminare Emil und Nicel („Lachen ist gesund“). Und vielleicht haben sie ja Recht. Nach den vielen Teambildungssitzungen brauchts wieder mal eine Auflockerung. Wer weiss, was als Nächstes kommt...

 

Ich kann nur sagen „Happy Birthday Bob – The Times realy are a-changing.“  Trotzdem, ein Ausstieg liegt nicht drin. Wir machen noch  etwas weiter.

 

Dino Entré

 

P.S.  Heute lag ein Probeexemplar des „Nebelspalters“ im Lehrerzimmer (früher hatte ja jedes Lehrerzimmer ein Abo) – ich glaube, die wittern Morgenluft....